Startups im Kontext des PALM‑Prinzips - Ob und wenn ja wie Startups als Investment in deine Vermögensstrategie passen
- Matthias Berens
- vor 4 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Startups üben auf viele Investoren eine besondere Faszination aus. Die Aussicht, früh an einem Unternehmen beteiligt zu sein und im Erfolgsfall von einem exponentiellen Wachstum zu profitieren, wirkt auf den ersten Blick wie ein attraktiver Bestandteil jeder Vermögensstrategie. Gleichzeitig unterscheidet sich diese Assetklasse fundamental von klassischen Investments wie Immobilien oder Kapitalmarktanlagen.
Aus Sicht des PALM‑Prinzips ist daher entscheidend, Startups nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext ihrer Funktion innerhalb eines lebenszyklusorientierten Vermögenssystems einzuordnen. Dabei zeigt sich schnell: Startups sind keine tragende Säule einer strategischen Vermögensplanung – sondern eine sehr spezielle, bewusst einzusetzende Beimischung.
Der grundlegende Charakter von Startup‑Investments
Der zentrale Unterschied zwischen Startup‑Investments und klassischen Kapitalanlagen liegt in ihrem Risikoprofil und ihrer Planbarkeit. Während Immobilien beispielsweise auf stabilen Cashflows, langfristiger Nachfrage und strukturierten Finanzierungen basieren, zeichnen sich Startups durch ein nahezu gegenteiliges Profil aus.
In der Praxis müssen Investoren davon ausgehen, dass ein Großteil aller Startup‑Investments nicht erfolgreich ist. Es ist keine Seltenheit, dass ein signifikanter Anteil des eingesetzten Kapitals vollständig verloren geht. Gleichzeitig ist ein laufender Cashflow praktisch nicht existent, und der Erfolg eines Investments hängt häufig von einem einzelnen Ereignis ab: dem Exit, sei es durch Verkauf oder Börsengang.
Diese asymmetrische Struktur – häufige Verluste bei gleichzeitig wenigen, aber potenziell großen Gewinnen – macht Startup‑Investments zu einer ausgesprochen spekulativen Assetklasse, deren Erträge weder planbar noch linear sind.
Einordnung im PALM‑Modell
Im PALM‑Modell wird jede Assetklasse danach beurteilt, welche Funktion sie im jeweiligen Lebenszyklus erfüllt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob und in welcher Phase Startup‑Investments sinnvoll eingesetzt werden können.
Aufbauphase: Kein Raum für spekulatives Kapital
In der Aufbauphase ist das zentrale Ziel der Vermögensaufbau. Die verfügbare Ressource ist begrenzt, und das eingesetzte Kapital muss möglichst effizient genutzt werden.
Ein wesentliches Prinzip dieser Phase ist, dass Eigenkapital gezielt eingesetzt wird, um durch Leverage – beispielsweise über Immobilien – eine möglichst große Vermögensbasis aufzubauen. Kapital ist hier nicht frei verfügbar, sondern ein knappes Gut, das strategisch eingesetzt werden muss.
Startup‑Investments stehen diesem Prinzip entgegen. Da ein signifikanter Anteil des eingesetzten Kapitals verloren gehen kann und kein planbarer Cashflow entsteht, fehlt ihnen die notwendige Stabilität, um als Baustein des Vermögensaufbaus zu dienen.
Zudem handelt es sich bei Startup‑Kapital im Grunde um „Spielgeld“ – also Kapital, dessen Verlust verkraftbar sein muss. Genau dieses Kapital steht in der Aufbauphase in der Regel nicht zur Verfügung.
Vor diesem Hintergrund sind Startup‑Investments in dieser Phase aus Sicht des PALM‑Modells nicht sinnvoll Bestandteil der Vermögensstrategie.
Optimierungsphase: Erste Möglichkeit zur Beimischung
Mit zunehmendem Vermögen verändert sich die Ausgangslage. In der Optimierungsphase verfügt der Investor über ein gewachsenes Portfolio, stabile Cashflows und – im Idealfall – eine gewisse finanzielle Flexibilität.
In dieser Phase kann erstmals darüber nachgedacht werden, einen kleinen Teil des Vermögens gezielt in höher riskante Anlagen zu allokieren. Dabei ist jedoch entscheidend, dass diese Allokation klar begrenzt bleibt und nicht den strukturellen Kern des Portfolios betrifft.
Startup‑Investments können hier als optionale Ergänzung betrachtet werden, die das potenzielle Upside eines Portfolios erhöht, ohne dessen Stabilität zu gefährden. Voraussetzung ist jedoch, dass das eingesetzte Kapital im schlimmsten Fall vollständig abgeschrieben werden kann, ohne dass dies die Gesamtstruktur gefährdet.
Auch in dieser Phase gilt daher: Startups sind kein strategisches Fundament, sondern eine bewusste Abweichung von der Kernlogik – mit klar definierten Grenzen.
Transformationsphase: Im Widerspruch zur Zielsetzung
In der Absicherungs‑ und Transformationsphase verschieben sich die Prioritäten grundlegend. Ziel ist nicht mehr Wachstum, sondern Stabilität, Planbarkeit und Liquidität.
Gerade in dieser Phase gewinnt das bereits beschriebene Sequence‑of‑Returns‑Risiko an Bedeutung. Große Verluste in Kombination mit Entnahmen können langfristige Auswirkungen auf die Tragfähigkeit des Vermögens haben.
Startup‑Investments verstärken genau dieses Risiko. Sie sind illiquide, nicht planbar und in vielen Fällen binär in ihrer Entwicklung. Damit stehen sie in direktem Widerspruch zu den Zielen dieser Phase.
Aus Sicht des PALM‑Modells sind Startup‑Investments daher in der Transformationsphase nicht Bestandteil einer rationalen Vermögensstrategie, sondern würden die Stabilität des Gesamtsystems potenziell gefährden.
Startups als Teil der beruflichen Strategie
Ein entscheidender Punkt in der Einordnung von Startup‑Investments liegt darin, dass sie nicht nur als Kapitalanlage betrachtet werden sollten. In vielen Fällen entfalten sie ihren größten Wert nicht über die Rendite, sondern über ihre strategische Funktion im beruflichen Kontext.
Die Beteiligung an Startups kann Zugang zu Netzwerken ermöglichen, Einblicke in neue Geschäftsmodelle geben und Lernprozesse beschleunigen. Für Investoren, die selbst unternehmerisch tätig sind oder in innovationsgetriebenen Märkten agieren, kann dieser Aspekt erheblich wertvoller sein als der finanzielle Ertrag.
In diesem Sinne sind Startup‑Investments häufig weniger Bestandteil einer Vermögensstrategie als vielmehr ein Element einer persönlichen und beruflichen Entwicklungsstrategie. Der Return entsteht nicht ausschließlich in Form von Kapital, sondern auch in Form von Wissen, Kontakten und Perspektiven.
Fazit: Klare Trennung zwischen Strategie und Beimischung
Die Einordnung von Startups im Kontext des PALM‑Prinzips führt zu einer klaren Schlussfolgerung: Startup‑Investments sind kein Kernbestandteil einer strukturierten Vermögensstrategie.
Sie erfüllen weder die Anforderungen an planbare Cashflows noch an Stabilität oder Skalierbarkeit, die für den systematischen Vermögensaufbau entscheidend sind. Stattdessen stellen sie eine hochriskante, opportunistische Beimischung dar, die nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein kann.
Innerhalb des PALM‑Modells lassen sich Startups daher wie folgt einordnen:
In der Aufbauphase: nicht geeignet
In der Optimierungsphase: begrenzt und bewusst einsetzbar
In der Transformationsphase: strategisch unpassend
Ihre eigentliche Stärke liegt häufig außerhalb der reinen Kapitalanlage – im Bereich von Lernen, Austausch und unternehmerischer Entwicklung.
Gerade diese klare Abgrenzung ist entscheidend. Nur wer zwischen strategischem Vermögensaufbau und opportunistischen Investments unterscheidet, kann langfristig ein robustes, steuerbares Vermögenssystem aufbauen.
